|
Teil 2 Achterbahnfachbegriffe
Abschuss: Der Abschuss, oder auch Katapultstart genannt beschleunigt eine Achterbahn innerhalb von wenigen Sekunden auf Höchstgeschwindigkeit. Dabei unterscheidet man verschiedene Abschussarten. Den Hydraulischen Abschuss mit Öldruck und Catch Car, wie er vorwiegend von Intamin verwendet wird, dann den Abschuss mittels Luftdruck, bei dem S&S Vorreiter ist, als auch den weit verbreiteten Abschuss mittels linearer Synchronmotoren(LSM) oder linearen Induktionsmotoren(LIM), die nun auch schon deutsche Unternehmen wie Gerstlauer und Maurer Söhne verwenden.
Airtime (dt. wörtlich = „Luftzeit“): Bezeichnung für negative G-Kräfte bei denen der Fahrgast förmlich aus den Sitzen gerissen wird, also leichter ist, als das eigentliche Körpergewicht. Bei Achterbahnfans ist dies der Kick wonach man sucht, und so wird bei einem Coaster gerne entgegen den Sicherheitsbestimmungen der Bügel etwas weiter offen gelassen, um mehr Airtime zu spüren. Am stärksten spürt man Airtime meist auf der Spitze von so genannten „Camelbacks“.
Backrow: Bezeichnet die letzte Sitzreihe in einer Achterbahn (also das Gegenstück zur Frontrow), auf der man meist auch etwas mehr Airtime verspürt, als in den vorderen bzw. mittleren Bereichen. Viele empfinden die Fahrt in den hinteren Zugteilen meist auch intensiver, weil man quasi von den vorderen mit nach unten gerissen wird.
Catch Car(Caddy): Mitnehmer, der eine Achterbahn einen Kabellift hinaufbefördert, oder bei hydraulisch abgeschossenen Achterbahnen für die Beschleunigung verantwortlich ist.
Ejector Airtime: „Stärkste“ Form der Airtime bei welcher der Fahrgast förmlich aus seinen Sitzen gerissen wird und gegen die Bügel gedrückt wird. Diese Form der Airtime ist die beliebteste unter den Fans.
ERT: Steht für Exclusive Ride Time, und bezeichnet die Zeit meist vor oder nach Parköffnung, auf der meist Achterbahnfanclubs oder ähnliche Organisationen eine Attraktion ohne anstehen zu müssen nutzen können. Meist geschieht dies im Rahmen einer neuen Attraktion.
First Drop: Erste Abfahrt bei einer Achterbahn, die meist auch die längste und steilste ist. Im Extremfall kann der First Drop sogar steiler als 90 Grad sein, wie bei den Eurofightermodellen von Gerstlauer, bei denen er 97 Grad steil ist.
Floating Airtime: „Sanfte“ Form der Airtime, bei der der Fahrgast langsam gegen den Sicherheitsbügel gleitet und dort einige Sekunden „schwebt“
Front Row: Bezeichnet die erste Sitzreihe bei einer Achterbahn, auf der man die beste Sicht hat. Viele Achterbahnen haben für die erste Reihe einen extra geteilten Wartebereich. In Deutschaland zum Beispiel bei der bigFM Expedition Ge Force (Holiday Park), auf der man dann dementsprechend länger anstehen muss, oder auch beim Silver Star in Rust.
G-Kräfte: Bezeichnung für das Vielfache des eigenen Körpergewichts vorwiegend bei Fahrgeschäften und Achterbahnen. Dabei entsprechen 1 G dem normalem Körpergewicht. 0 G entspricht der Schwerelosigkeit wie im Weltraum. Die Zahl vor dem G bezeichnet also den Faktor um wie viel das eigene Körpergewicht schwerer bzw. leichter ist. Wenn der Körper schwerer wird, so nennt man dies positive G-Kräfte. Wird der Körper leichter als er eigentlich ist, so spricht man dagegen von negativen G-Kräften, was bei Achterbahnfans mit der so beliebten Airtime gleichzusetzen ist, also die Zeit, auf der man aus den Sitzen gerissen wird.
Kabel-/Seilzuglift: Lift bei dem der Zug mittels eines Seilwindensystems und eines Catch Cars nach oben befördert wird. Dies ist momentan die schnellste Möglichkeit eine Achterbahn auf den ersten Hügel(mit Ausnahme des Abschusses) zu befördern. Dabei werden Geschwindigkeiten von bis zu 4,5 m/s erreicht. In Europa findet dieses System zum Beispiel bei big FM Expedition Ge Force (Holiday Park) und Goliath (Walibi Word) Anwendung.
Kettenlift: Klassische Liftform, die fast bei allen Achterbahnen (vor allem bei älteren) ohne Abschuss eingesetzt wird. Hier zieht eine kette den Zug empor. Auf Kettenliften wird auch das charakteristische Knacken verursacht, da der Safety Dog(siehe unten) in der Kette immer wieder einrastet.
Klothoide: Weiterentwicklung des Kreislooping, bei dem der Radius der Loopingein- und ausfahrt wesentlich größer dimensioniert als im oberen Loopingteil ist. So wird die Gesundheit der Fahrgäste gewährleistet, da in kreisrunden Loopings die Belastungen durch die G-Kräfte viel zu groß wurden und teilweise bis zu 10 G erreichten, was zu Wirbelsäulenschäden und Schleudertraumas führte. Entwickelt wurde die Klothoide vom „Vater der Achterbahnen“, bzw. Achterbahnguru Werner Stengel. Zum ersten mal wurde diese Loopingart dann 1976 bei Revolution in Six Flags Magic Mountain realisiert.
Längsneigung: Die Längsneigung gibt den Winkel zwischen einer Auf – bzw. Abfahrt und der Horizontalen an. Bei bestimmten Achterbahntypen kann diese sogar größer als 90 Grad sein, z.B. bei den „Eurofightern“ von Gerstlauer.
Lift bzw. Aufzug: Hat die Aufgabe die Achterbahn den Lifthill (erste Auffahrt) hinaufzubefördern. Mittlerweile gibt es viele Varianten eines Lifts. Ob Klassischer Kettenlift, Kabellift(siehe oben), Trommellift, Vertikallift(Senkrechttransport), oder Spirallift. Grundsätzlich ist vieles möglich.
Operator: Begriff für den Bediener von Fahrgeschäften auf der Kirmes und in Freizeitparks.
Out-and-Back-Design: Bezeichnung für die Streckenführung einer Achterbahn, die ohne große Richtungswechsel und Steilkurven auskommt.
Querneigung: Querneigung gibt den Winkel an, in der eine Kurve oder allgemein die Achterbahnschiene zur Seite gekippt ist. Meist beträgt Sie bis zu 60 Grad (z.B. Expedition Ge Force), kann aber auch bis zu 122 Grad wie bei Millennium Force im Cedar Point in Ohio betragen. Hier hängen die Köpfe der Fahrgäste dann nach unten.
Stadium Seating: Bezeichnet wie in einem Fußballstadion auch ein erhöhtes Sitzen hier aber in einer Achterbahn, je weiter hinten man im Zug sitzt. So ist gewährleistet dass jeder Fahrgast ungefähr gleich viel sieht und von der Fahrt mitbekommt.
Radsystem: Das Radsystem einer modernen Achterbahn besteht aus drei Radpaaren: Den Laufrädern, die das Gewicht des Zuges halten müssen, und die Geschwindigkeit übertragen. Dann die Sidefricton Wheels, um den Zug in Kurven auf den Schienen zu halten, und die Underfriction- bzw. Upstopwheels, um den Zug in Überschlagselementen vor dem Entgleisen zu bewahren.
Reduzierbremse (bzw. Zwischenbremse): Bezeichnet eine Bremse bei einer Achterbahn, welche die Geschwindigkeit des Zuges während der Fahrt reguliert. In Fachkreisen wird diese auch oft als Spaßbremse bezeichnet, da durch das Bremsen logischerweise Geschwindigkeit und Airtime verloren gehen.
Safety Dog: Sicherungssystem, das für das charakteristische Knacken bzw. Klacken bei der Liftauffahrt verantwortlich ist, da der Safety Dog in kurzen Abständen in eine Sägezahnleiste einrastet, um so ein Zurückrollen bei Stillstand zu verhindern. Bei sehr modernen Achterbahnen wird das Klacken oft durch spezielle Mechanismen verhindert (z.B. durch Magneten).
Single-Riders-Line: Die Single-Riders-Line bezeichnet eine Extrawarteschlange bei manchen Achterbahnen, für Leute die alleine fahren. Zuerst wird der Zug mit Fahrgästen aus der „normalen“ Warteschlange gefüllt, und danach mit denen aus der Single-Riders-Line, was zu einer kompletten Ausnutzung der Kapazität führt. Häufig ist hier auch dann die Wartezeit wesentlich kürzer.
Wirbelstrombremse: Die Wirbelstrombremse ist eine relativ neue und komplett sichere Bremsvariante für Achterbahnen und Freefall – Towers. Dabei werden Bremsschwerter, aus einem leitenden Metall (meistens Kupfer) in ein Magnetfeld eines Permanentmagneten hindurchgeführt. Dabei entstehen Wirbelströme, die eine bremsende Wirkung auf den Zug bzw. die Gondel auswirken. Da der Permanentmagnet nicht an das Stromnetz angeschlossen ist, ist die Wirbelstrombremse komplett ausfallsicher, da sie eben autark(ohne Strom) arbeitet. Jedoch kann die Wirbelstrombremse nicht als Feststellbremse verwendet werden, da durch die Geschwindigkeitsabnahme auch die Bremskraft abnimmt. Deshalb wird am Ende der Bremsstrecke als Feststellbremse eine normale Reibbremse verwendet.
Zentrifugalkraft: Die Zentrifugalkraft oder auch Fliehkraft ist für die positiven G-Kräfte bei Fahrgeschäften verantwortlich, die den Fahrgast in den Sitzt drückt. Dies wird beispielsweiße beim Round Up (siehe Teil 2) oder beim Enterprise (siehe Teil Zwei) ausgenutzt.
|